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In diesem Blog geht es um den Wandel im Marketing. Die Inhalte sollen helfen, die unternehmensinterne Transformation hin zum Inbound- und Content Marketing zu inspirieren und zu unterstützen. Ihre Kommentare sind höchst willkommen!

Eine unnötige Frage

Ist Kreativität im Content Marketing noch gefragt?

Was für eine merkwürdige Frage. Ich meine, die Frage sollte eher lauten: Ist Content Marketing ohne Kreativität überhaupt möglich? Wie soll Werbung, wie soll Content Marketing ohne Kreativen Input überhaupt von statten gehen?

Lesen Sie Bücher? Dann möchte ich Ihnen zwei besonders ans Herz legen. Einmal “Mein Cello und ich und unsere Begegnungen“ von Gregor Piatigorsky und von A.J. Jacobs „Britannica & ich – Von einem, der auszog, der klügste Mensch der Welt zu werden.“ Zwei Bücher, die schon auf den ersten Blick nicht die spannendsten zu sein scheinen. Piatigorsky war zwar ein begnadeter Cellist, der auf den Bühnen dieser Welt zu Hause war, während A.J. Jacobs als leitender Redakteur beim Esquire beschäftigt ist, aber… wer weiß das schon? Wen interessiert es?

Bücher wie Welten.

Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein können, haben sich zweier Themen angenommen, die von sich aus schon eine gewisse Schwere mitbringen. Was kann ein Cellist schon für Begegnungen gehabt haben, die für mich relevant sein sollen? Dirigenten eines fernen Jahrhunderts mögen ihm auf die Füße getreten sein, aber sonst? Auch bei Jacobs stellt sich diese Frage. Die Britannica ist eine der größten Enzyklopädien der Welt, enorm trocken und voll mit unnützem Wissen. Nun. Wenn man dem ersten Blick glauben will, könnte man jetzt sagen: „Gut, vorbei, keine Lust, das zu lesen.“

Doch zuweilen lohnt ein zweiter Blick. Denn beide Männer haben es auf eine unverwechselbare und erfrischende Weise verstanden, ihren „Content“ derartig mit alltäglichem zu verquicken, das es eine wahre Wonne ist. Wenn ich mich auch vorher nie für klassische Musik interessiert habe, so lerne ich doch bei der Lektüre unversehens und mit viel Freude eine Welt kennen, die mir bis dahin verschlossen war. Wanderungen, barfuß von Russland nach Polen, das sündhaft teure Cello notdürftig in Leinen gewickelt auf dem Rücken tragend. Der Kontrast zu den späteren Erfolgen, seine Beschreibung der Musik, die aus seinen Fingern in das Instrument floss…

Es gibt kein „Nur“

Piatigorsky war nur ein Cellist. Sicher. Aber er hat es geschafft, diese Liebe, diese Kreativität in des Texters Medium zu übertragen und seine Geschichte und die seines Cellos einer breiten Masse zugänglich gemacht. Ähnlich verhält es sich mit Jacobs. Offensichtlich journalistisch unterfordert hat er sich eines der trockensten und abschreckendsten Hobbys ausgesucht, mit dem man die Zeit totschlagen kann. Er hat die Britannica gelesen. Komplett. 33000 Seiten. Ein Lexikon. Uff.
Jacobs erzählt davon allerdings auf so eine unterhaltsame Art und Weise, das man einfach nicht wegsehen kann. Kurz darauf schon ertappt man sich selbst dabei, das gelesene zu verwenden und einzusetzen, schlussendlich im Hirn sogar als nützlich abzulegen. Und wenn das lediglich bedeutet, zu wissen, dass die Briten 1797 versuchten, eine Uhrensteuer einzuführen. Das Projekt scheiterte.

Die Welt lebt von der Kreativität. Ohne Kreativität kann nichts entstehen. Sie ist der Antrieb unseres Seins, wie sollte es da also möglich sein, das sie für einen Bereich keine Geltung hätte? Jedes Gespräch, jede Geste, jede Art von Kommunikation ist von Kreativität angetrieben. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, das jeder Schritt und jeder Handschlag, den man tut, von Kreativität begleitet wird, aus ihr entspringt. Wie kombiniere ich Socken und Shirt bei kurzer Hose, wie trage ich mein Haar, welcher Lippenstift, welches Rasierwasser. Jedesmal eine Entscheidung, jedesmal eine andere. Kreativität hat uns die Anpassung geschenkt. Aber selbst ist sie die Anarchie. Wenn man das verstanden hat, erübrigt sich die Frage, ob Kreativität im Content Marketing noch gefragt ist.

Die Frage muss lauten: Kann Content Marketing ohne Kreativität bestehen?

Gastbeitrag von

Christoph B. Klöcker, gebürtiger Münsterländer. Er lebt seit 15 Jahren in Düsseldorf. Er kann nicht reiten, singen so semi und ist ansonsten Glatzen- und Vollbartträger. Des weiteren ist über ihn zu sagen, dass er die Sonne liebt und das Leben. Und seine Arbeit. Seit neuestem. Denn was kann es schöneres geben, als kreativ zu schreiben.

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