Blog

In diesem Blog geht es um den Wandel im Marketing. Die Inhalte sollen helfen, die unternehmensinterne Transformation hin zum Inbound- und Content Marketing zu inspirieren und zu unterstützen. Ihre Kommentare sind höchst willkommen!

Der Werbung die Meinung bloggen

An alle Bücherwürmer, Satzartisten, Textrabauken, Worterfinder, Schriftpiraten und Meinungsmacher:

Kreativität ist keine Krankheit und absurde Ideen kein erstes Anzeichen von Wahnsinn. Kopfkino ist keine Wahrnehmungsbehinderung und fast jede Flause im Kopf hat ihre Daseinsberechtigung. Das sollten wir nie vergessen, wenn die Content-Strategie wieder mit Freiraum geizt, und ein Fließtext über komplizierte Inhalte das Feuerwerk im Kopf zu löschen droht.

Barriere: Freiheit?

Werbung passt sich den Menschen an, weil es Ihr Ziel ist, Menschen zu erreichen. Wir surfen im Internet und die Werbung folgt unseren digitalen Spuren.

Und so nutzt ein weltweit bekanntes koffeinhaltiges Erfrischungsgetränk das Content-Marketing und entwickelt eine eigene Online-Kampagne, die sich liest wie das Pendant zur Bildzeitung. Alles um das Thema „Happiness“ und das in allen Rubriken: Neu, Gesellschaft, Entertainment … sogar Sport.

Das ist lobenswert, selbstredend: Artikel mit der Aussage „du bist behindert, aber glücklich“, bewegen und unterhalten. Eine Überschrift über dem Bild eines kleinwüchsigen Rollstuhlfahrers „Barrierefrei bloggen“ – super Zeile, typisch Werber.

Die Werbung hat erkannt was Menschen bewegt, und verstanden, dass es mehr braucht um den Kunden zu erreichen und zu überzeugen. Doch was heißt das für uns Texter? Werden die Agenturen jetzt redaktionell? Suchen vielleicht auch Journalisten jetzt den Weg in die Werbung, und schreiben informative Artikel mit kalorienarmen Sommerrezepten auf der Webseite von Burger King?

Die Longcopy ist tot, es lebe die Contentcopy

Die Welt der Werbung wurde um ein sinnvolles Werkzeug erweitert: Content-Marketing.

Ich sage: „GOTT SEI DANK“ und ich bin Atheist … größtenteils. Das Internet ist über 20 Jahre alt, die eine Hälfte besteht aus Katzenbildern, die andere aus Aufklärungsvideos von experimentellen und oft fragwürdigen Fortpflanzungspraktiken. Es wird Zeit, das Internet mit interessanten/nachhaltigen Inhalten zu füllen.

(Allein schon wegen der Möglichkeit, dass eines Tages eine fremde Alien Rasse unseren Planeten entdeckt, und uns, nach Sichtung des vorhandenen Materials, prophylaktisch aus der Milchstraße bombt, bevor wir uns vermehren und andere Galaxien besiedeln können.)

Das erfreut das Texterherz – die „Longcopy“ ist tot, es lebe die „Contentcopy“. Die gute Nachricht wir dürfen wieder texten. Die schlechte: schon mal explizite Inhalte für katzenliebende Briefmarkensammler geschrieben, die sich für Mikrofone interessieren, welche nichthörbare Ultraschalllaute einer bestimmten Fledermausart aufnehmen können? Herzlich Willkommen in einer Welt voller Unmöglichkeiten.

Tja, was passiert jetzt eigentlich, wenn eine Marke auf meine Agentur zugeht und sagt, „Wir brauchen eine neue Kampagne … wie COCA COLA! Wir wollen, dass sich unsere Kunden länger auf unserer Seite aufhalten und sich stärker mit uns identifizieren“.

Bauen wir zukünftig Seiteninhalte basierend auf der Optik von Bild.de und schreiben Artikel über Menschen, die ohne Arme und Beine „Mozarts Unvollendete“ auf einem Piano schmettern … und zwar nur mit dem Kopf?! Headline: Musik entsteht im Kopf.

Schreiben wir statt knackigen Headlines und klugen Konzepten nur noch Artikel und führen Interviews mit Betroffenen, deren Geschichten wir dann durch den emotionalen Fleischwolf drehen um am Ende einer Marke zu mehr Identität zu verhelfen?

Ich bin im 4ten Monat Text Trainee und obwohl der Hauptbestandteil meiner Arbeit aus dem Schreiben von Headlines, Copys und Radiospots besteht, sind mir Begriffe wie Content-Marketing und redaktionelles Arbeiten schon häufiger in Verbindung mit der Kreation begegnet.

Was soll ich sagen? Texter leben davon, Dinge anders zu machen. Informative Artikel texten, kann man machen: Interessant wird es doch erst, wenn die Zielgruppe anfängt mit etwas zu experimentieren, was vorher noch nicht da gewesen ist und das Ergebnis mit ihrem Netzwerk teilt, egal wo. Das geht auch mit dem Content-Marketing.

Hier ist Kreativität gefragt. Berater und Journalisten, die mit diesem ganzen „Synergie-effekt“ und „langfristige Nachhaltigkeit“ Geschwafel ihrer Zielgruppe erklärungsbedürftig auf den Tisch kotzen, erreichen maximal den Blue Screen, weil Ihre PowerPoint Präsentation auf Windows 95 mal wieder den Arbeitsspeicher in die Knie gezwungen hat.

Werbung. Content. Kinderschuhe.

Eines steht für mich fest: Selbst wenn es so sein sollte, dass ich bald im „Daily Planet“ arbeite, ersetzt das Content-Marketing keinesfalls die Wirksamkeit clever platzierter Werbung. Denn Menschen werden sich immer auch außerhalb des Internets bewegen und Marken wollen vor allem eins: Aufmerksamkeit.

Es mag ja sein, dass wir das Content-Marketing brauchen. Es ist eine Erweiterung, deren kreative Möglichkeiten meines Erachtens nach noch in den Kinderschuhen stecken,

ABER,

solange es den „ich mach mir nichts aus deiner Marke“ Kunden gibt, unsere Spiegelneuronen emotional auf optische und akustische Reize reagieren und die Welt voller Endorphin-Junkies ist, die Coca Cola kaufen statt Pepsi, solange gibt es auch einen Platz für wahnsinnige Menschen mit einer Wahrnehmungsbehinderung, deren verrückte Ideen sich unter der Tastatur Ihres Laptops verstecken, um zum richtigen Zeitpunkt in die Welt gedruckt zu werden. Texter an die Macht. Ihr seid die wahren Rockstars… und ich will noch einer werden.

Auch Falk Kreimeier nimmt an der Blogparade zum Thema Kreativität im Content Marketing teil.

Mein Name ist Falk Kreimeier, Text Trainee bei Havas WW, in Düsseldorf. Ich bin 34 Jahre alt und Quereinsteiger. In meinem früheren Leben war ich Kaufmann, ursprünglich wollte ich Journalist werden. Aber ein kurzes Praktikum und von Ihrer Tätigkeit frustrierte Journalisten haben mich davon abgehalten. Ein Glück! Denn heute mache ich einen der coolsten Jobs der Welt.

Ich liebe es.

kreativkader.deDer Werbung die Meinung bloggen
Teile diesen Artikel

Diskutiere mit