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In diesem Blog geht es um den Wandel im Marketing. Die Inhalte sollen helfen, die unternehmensinterne Transformation hin zum Inbound- und Content Marketing zu inspirieren und zu unterstützen. Ihre Kommentare sind höchst willkommen!

Also lautet ein Beschluss, dass der Mensch was lernen muss (Max & Moritz)

Freiwilliges Lernen hat einen größeren Erfolg beim Lernenden. Auch im Marketing sollte man Lernen als Instrument einbinden.
Lernen ist ein Thema an dem sich die Geister scheiden. Für die Einen ist es die Chance auf geistiges Wachstum und Entwicklung der Persönlichkeit. Für die Anderen ist es etwas Zwanghaftes, das sie mit der Entgegennahme des Schulabschlusses im wahrsten Sinne des Wortes abgeschlossen haben.

Egal wie man darüber denkt… die Wenigsten würden das Thema „Lernen“ ausgerechnet im Marketing verorten. Völlig zu Unrecht… wie ich finde. Denn es geht im Marketing doch schließlich darum, dass Kunden etwas über den Nutzen von Produkten lernen. Und zwar möglichst so, dass Sie es selber auch weitergeben können. Klingt zu theoretisch? Ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil!

Ich würde sogar sagen, dass der Erfolg vieler Marken genau darauf beruht, dass Sie Ihren Kunden etwas „beibringen“. Allerdings, und das ist dann doch ein großer Unterschied zu dem Lernen, das wir noch aus der Schulzeit kennen, beruht „Lernen“ im Kontext von Marketing immer auf Freiwilligkeit. Das heißt: die Motivation muss vom Lernenden kommen.

Übrigens ein Konzept, von dem Hirnforscher wissen, dass es die Voraussetzung für jede Art des Lernens ist. Dazu später mehr. Vorher würde ich Ihnen gerne mal zwei gelungene Beispiele für „Lernen“ als Marketinginstrument zeigen:

Bei der Weber Grill Academy wird Marketing mit Lernen verbunden.

(c) Weber-Stephen Deutschland GmbH

Die Weber Grillacademy

Das erste Beispiel ist die Weber Grillacademy. Hierzu habe ich im November 2014 Jan Redeker, den Manager der Weber Grillacademy, interviewt. Angefangen hat die Grillacademy als eine Schulungsmaßname für die Händler im Jahr 2004. In Gruppen von 15 Personen konnten die Mitarbeiter der Händler die Weber Produkte live und Hands-on erleben. Die Seminare dauerten 4 Stunden und wurden deutschlandweit von 5 Kochschulen durchgeführt.

Wichtig war dabei, dass es bei diesen Seminaren nicht nur um stumpfe Wissensvermittlung und dem Pauken von Verkaufsargumenten ging. Vielmehr sollte neben den Produktkenntnissen auch die Freude am Grillen und der Genuss transportiert werden. Heute besuchen jährlich 2.000 Händler die Weber Grillacademy und absolvieren dort entweder das 2,5-tägige Basisseminar oder die 1,5-tägigen Workshops für Grillexperten.

Seminare auch für Endkunden

An den Seminaren der Weber Grill Academy können Endkunden und Handelspartner teilnehmen.

(c) Weber-Stephen Deutschland GmbH

Und weil sich diese Seminare so großer Beliebtheit erfreuten, hat Weber die Grillacademy im Jahr 2010 dann auch für Endkunden ausgeweitet. An ca. 20 Locations in Deutschland und sogar auf Mallorca, können Grill-Enthusiasten nicht nur den richtigen Umgang mit Kohle- und Gasgrill lernen, sondern auch viel über Fleischqualität und Fleischproduktion. Die Seminare kosten zwischen 80€ und 90€ und werden wie bei den Händlern stets durch Profis aus den Partnerkochschulen durchgeführt. Ein wichtiges Prinzip dabei ist, dass die Seminare nie als Verkaufsveranstaltungen zweckentfremdet werden!

Am Ende eines jeden Seminars erhalten die Teilnehmer einen Feedback-Bogen auf dem sie das Seminar bewerten und die Möglichkeit haben ihre E-Mail-Adresse für den Newsletter einzutragen.

Das Projekt finanziert sich selbst

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 55.000 Teilnehmer und eine durchschnittliche Schulnote bei der Bewertung durch die Teilnehmer von 1,3. Darüber hinaus gibt es aber auch Zählbares für die Controller. Über die Teilnamegebühren finanziert Weber die Kochschulen und seine internen Aufwendungen komplett.

Die Akademie produziert aber nicht nur zufriedene, kompetente Griller und Markenfans, sondern nachweislich auch noch einen dreistelligen Mehrumsatz pro Teilnehmer. Besser geht’s eigentlich nicht… oder?

Freiwillig lernen auch bei ‚abstrakten‘ Themen?

Jetzt könnten Sie natürlich sagen: Klar bei so einem tollen Produkt wie Grillen funktioniert Lernen im Marketing. Grillen macht schließlich Spaß, und ist social. Aber, wie sieht es denn mit Produkten aus, mit denen man sich nicht freiwillig am Samstagabend mit Freunden beschäftigt?

Auch SAP verbindet Lernen und Marketing - über seine Espresso Webinare.

(c) SAP Deutschland SE & Co. KG

SAPs „Espresso-Webinare“

Nehmen wir doch zum Beispiel mal SAP Software. Die steht nicht im Verdacht den Spaßfaktor eines Grill-Events zu haben, ist aber dennoch mit ihren breit gefächerten Lernangeboten hoch erfolgreich. Ich möchte Ihnen mit der „Espresso-Webinar Plattform“ mal den Teilausschnitt dieses Angebots vorstellen, den wir vor einigen Jahren zusammen mit SAP konzipiert und umgesetzt haben.

Die Zielsetzung war, kleinen und mittelständischen Unternehmen den Zugang zu SAP und seinen Partnern zu erleichtern. Wie findet der Kunde den richtigen Partner? Wie erkennt SAP ob ein Kunde tatsächlich interessiert ist? Wann macht es Sinn potenzielle Kunden an die Partner-Vertriebsorganisation weiterzuleiten? Die Antwort: Über niedrigschwellige, schnelle Schulungsangebote in Form von Webinaren.

Die SAP Espresso-Webinar Plattform: „Kurz, konzentriert und kostenlos“

Auf der Plattform kann man Webinare entweder live erleben oder sich jederzeit die Aufzeichnung ansehen. Die Webinare dauern entweder 20 Minuten (Espresso) oder 40 Minuten (Doppelter Espresso) und sind zu unterschiedlichsten Themen und Branchen verfügbar. Ausrichter sind SAP Mitarbeiter oder die SAP Partner, über die die Betreuung der kleinen und mittelständischen Unternehmen erfolgt.

Wie gesagt, die Webinare sind für die Teilnehmer kostenlos. Die einzige Gegenleistung ist die Registrierung auf der Plattform inklusive einiger qualifizierender Angaben. Neben Name, Firma, Branche, Adresse, E-Mail und Rolle im Unternehmen werden die folgenden vier Punkte abgefragt:

  1. Kaufabsicht einer Geschäftsanwendung? (Zeithorizont)

  2. Einfluss auf den Entscheidungsprozess? (verschiedene Optionen)

  3. Budgetierung bereits vorhanden? (Ja/Nein)

  4. Wurde das Projekt bereits gestartet? (Ja/Nein)

Auf Basis dieser Informationen und der ausgewählten Webinar Themen kann SAP entscheiden, welche Kunden mit welchen Partnern zusammengebracht werden können und sollten.

Die Espresso Webinare von SAP verbinden Lernen und Marketing miteinander.

Screenshot sap-webseminare.de

Fast 800 Webinare

Dass die Lernplattform bei der Zielgruppe gut ankommt, lässt sich anhand des stetig wachsenden Angebots von Webinaren nur indirekt ablesen, da SAP die Nutzungszahlen nicht öffentlich macht. 2012 startete die Plattform mit 10 Webinaren, allesamt von SAP Mitarbeitern. Heute bietet die Plattform fast 800 Webinare wobei auch die Partner immer öfter selbst Espresso-Webinare beitragen.

Mein Fazit

Relevante Lernangebote sind ein hervorragendes Marketinginstrument und werden oftmals als solches unterschätzt. Gerade für Unternehmen, die auf Content Marketing setzen, sind Lernformate oder eine eigene Akademie die „Königsdisziplin“.

Nichts beweist mehr Kompetenz für eine Marke als diese auf seiner eigenen Akademie zu teilen. Ob Sie das kostenpflichtig, wie bei der Weber Grillacademy, oder niedrigschwellig und kostenlos, wie den SAP Espresso-Webinaren, anbieten hängt von Art und Aufgabe der Seminare ab.

Wenn Sie im Rahmen Ihrer Marketingstrategie Seminare oder gar eine eigene Akademie anbieten wollen, sollten Sie folgende Punkte unbedingt beachten:

  1. Relevanz, Relevanz, Relevanz…

    Denken Sie nicht darüber nach, was Sie Ihren Kunden gerne über die Marke vermitteln möchten, sondern darüber was, Ihre Kunden wirklich interessiert.

  2. Spaß

    Die Hirnforschung hat längst bewiesen, was wir schon immer vermuteten: Nur mit Spaß lernt man wirklich effizient. Besonders im Marketing, wo das Lernen auf Freiwilligkeit beruht. …Das heißt: Machen Sie sich intensiv Gedanken dazu, wie Sie die Lerninhalte auf eine Art vermitteln, die Ihren Kunden gefällt. Als Hinweis hierbei: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte und ein Video mehr als 1000 Bilder.

  3. Social

    In der Gruppe ist die Lernmotivation höher. Das gilt auch für E-learning Formate, die klassischer Weise ja eher alleine genutzt werden. Auch hier kann die Motivation durch einen Austausch unter den Lernenden gesteigert werden.

  4. Belohnung

    Wenn dem Lernenden eine Belohnung winkt stärkt auch das nochmal die Lernmotivation. Ob Urkunde oder ein Social Icon auf der E-Learning Plattform (neudeutsch „Gamification“)… Anerkennung und Status wirken wie ein Turbolader für die Lernenden.

  5. Format

    Welches Format für Ihre Ziele das richtige ist, hängt davon ab, welche Inhalte Sie transportieren wollen, wieviel Zeit Ihre Kunden investieren wollen/können und wo sich Ihre Zielgruppe aufhält.
    Grundsätzliche Formate sind: Präsenzseminare, E-Learnings oder die Kombination aus beidem (Blended Learning).

Wie sehen Sie das Zusammenspiel zwischen Marketing und lernen?

Wenn Sie darüber nachdenken, Lernangebote im Rahmen Ihrer Marketingstrategie einzusetzen, sprechen Sie uns an. Wir helfen Ihnen bei der Strategieentwicklung, bei der Erstellung der Lerninhalte und bei Bedarf auch der Implementierung unserer Lernplattform „ClientCampus“.




Weiterbildungen und Seminare zu den Themen Digital- und Content Marketing  bieten wir auf unserem Xengoo Camous an.



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