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Gamification – Kunden und Mitarbeiter „spielend“ motivieren

Kaum etwas motiviert so stark und anhaltend wie Videospiele. Tausende Menschen verbringen Stunden vor ihrem PC oder ihrer Konsole, um immer wieder neue Level zu erreichen oder Rekorde zu brechen. Manche Apps machen die User regelrecht süchtig und treiben die Rechnungen in die Höhe.
Insgesamt spielen 29,3 Millionen Deutsche mehrmals pro Monat Computer- und Videospiele – darunter 13,5 Millionen Frauen. Und dabei handelt es sich nicht nur um Jugendliche und junge Erwachsene: 20% der Nutzer digitaler Spiele sind über 50 Jahre alt.

20 Prozent der Nutzer digitaler Spieler sind über 50 Jahre alt, auch diese Kollegen sollte man mit der Gamification ansprechen können.

Statistik des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware, (c) BIU/GfK

Wenn man nun die Prinzipien, warum Videospiele die Menschen derart in ihren Bann ziehen, versteht: Ist man dann nicht auch in der Lage, Menschen in vielen anderen Bereichen des Lebens zu motivieren?
Genau darum geht es beim Thema „Gamification“: die Übertragung von Elementen aus Spielen in die reale Welt.

‚Gamifizierte‘ Systeme motivieren Mitarbeiter, Kunden und Lernende

Unternehmen nutzen spielerische Prinzipien, um ihre Mitarbeiter zu produktiverer Arbeit zu motivieren. Lernplattformen werden „gamifiziert“, um den Erfolg der Lernenden zu garantieren. Sogar Online-Portale verschiedener Firmen nutzen Gamification, um die Kundenloyalität zu erhöhen. Gleichzeitig bietet dies die Möglichkeit, das Verhalten der Nutzer näher zu analysieren, sodass besserer, personifizierter Content angeboten werden kann.

Große Beispiele für das Gelingen von Gamification sind Hewlett Packard, Ford Motors und Samsung. Hewlett Packard konnte durch ein gamifiziertes Online-Portal ein Umsatzwachstum von 56,4% erreichen. Allein in den ersten drei Monaten 2011/12 stieg der Umsatz um eine Milliarde Euro. Ford Motors ließ ihre Lernplattform gamifizieren, die den Vertrieb und Service regelmäßig über neue Automodelle, Finanzplanungen und Technologien informiert. Die Plattform wurde um 417% häufiger verwendet, die Nutzung durch jeden einzelnen verdoppelt, die Personalfluktuation gesenkt und die Kundenzufriedenheit erhöht.

Bei „Samsung-Nation“ können User ihre Samsung-Produkte registrieren und nicht nur Informationen zu ihnen erhalten, sondern mit den Inhalten der Seite interagieren und sich mit anderen Nutzern austauschen. Für Aktivitäten auf der Website bekommen sie Punkte und können verschiedene „Missionen erfüllen“. (Weitere Beispiele)

Gamification wird immer mehr zum Trend. Inzwischen wurden verschiedene Gamification-Plattformen gegründet, Firmen, die anbieten, Anwendungen für Unternehmen zu gamifizieren. Bekannte Beispiele sind Gigya, Badgeville und Bunchball.

Doch wie funktioniert Gamification genau?

Grundsätzlich geht es immer um Belohnung. Der Mitarbeiter, Lernende oder Kunde bekommt Aufgaben gestellt, die belohnt werden können, um positive Erlebnisse auszulösen. Ein wichtiges Element in Spielen ist ständiges visuelles oder auditives Feedback. Für alles, was ein Spieler tut, bekommt er Punkte und Auszeichnungen. Die ständige Bestätigung des Selbstbildes ist die Voraussetzung für eine starke und dauerhafte Motivation.

Das meiste, was der Mensch tut, hat den Zweck, seinen Status zu verbessern. Also ist eine Profilseite nötig, auf der Punkteanzahl und Fortschritt überprüft werden können. Einen großen Effekt hat auch eine Community, die Vergleichbarkeit und Konkurrenz ermöglicht. So steht der User nicht nur mit sich selbst (z.B. beim Erreichen neuer Rekorde) in Konkurrenz, sondern kann seinen Status auch im Vergleich zu anderen verbessern. Man kann aber auch die Option schaffen, in dieser Community zusammenzuarbeiten, indem man z.B. Aufgaben gemeinsam erfüllt oder Punkte verschenkt.

Die wichtigsten „Game Dynamics“ (indirekte und unbewusst wahrgenommene Effekte einer Gamifizierung) sind also:

  • Status und Selbstdarstellung
  • Wettbewerb, Vergleichbarkeit und Konkurrenz
  • Nächstenliebe und Kollaboration

Eine einfache Möglichkeit, den User zu belohnen sind kleine Pop-Up-Fenster mit Glückwünschen. Das direkte und überraschende Feedback (z.B. „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben drei Samsung Produkte registriert! Sie erhalten 10 Punkte!“) löst positive Gefühle aus.

Punktesysteme können individuell aufgebaut werden

Der Kreativität für ein Punktesystem sind keine Grenzen gesetzt. Anstatt „Punkte“ können auch Goldmünzen, Sterne, Erfahrungspunkte, Äpfel usw. gesammelt werden. Voraussetzung für ein Punktesystem sind Aufgaben und Herausforderungen, die erfüllt werden müssen. Vor allem im Bereich Bildung werden hierbei Fortschrittsbalken genutzt, da hier auf ein bestimmtes Ziel (z.B. das Beenden eines Seminars) hingearbeitet wird. Es müssen aber keine Balken sein, sondern auch Ringe, sich füllende Kreise o. ä. sind möglich. Manchmal bieten sich auch transparente oder graue Symbole an, die nacheinander sichtbar oder farbig werden.

Damit die Gamification den Nutzern auch gefällt und sie motiviert, sollte jeder Nutzer seinen eigenen Fortschritt angezeigt bekommen.

Beispiele für Fortschittsanzeiger, (c) www.pdblast.com

Anhand der Punktezahlen kann durch eine Rangliste aller User oder ein Levelsystem Konkurrenz geschaffen werden. So kann man den eigenen Status im Vergleich zu anderen besser einschätzen. Das Gefühl, innerhalb der eigenen Gruppe „aufzusteigen“ hat zudem einen sehr starken Effekt.

Badges für besondere Leistungen

Durch das Erlangen einer bestimmten Punktzahl oder die Erfüllung einer Aufgabe können außerdem sogenannte „Badges“ angeboten werden. Das sind Auszeichnungen für besondere Leistungen. Solche Abzeichen können auf der Profilseite angezeigt werden und dienen auch hier dazu, den Status zu verbessern. Badges werden in Spielen vielfach genutzt und können verschiedene Namen haben, z.B. „Errungenschaften“ bei der Unterhaltungsplattform Steam, „Erfolge“ bei Xbox und „Trophäen“ bei Playstation.

In der Gamification sollte man einzelne Errungenschaften über Badges angezeigt bekommen.

Beispiele für Badge-Symbole, www.technologyadvice.com

Zusätzlich zu Punkten kann hier durch Badge-Sets ein Sammlereffekt ausgelöst werden, der den User regelmäßig zur Nutzung eines Online-Portals oder einer Lernplattform motiviert.
Eine weitere Möglichkeit der Belohnung ist ein Shop- oder Freischaltungssystem. Hier können die Punkte für virtuelle Güter eingetauscht werden, z.B. Hintergrundbilder oder Animationen für Profilseiten. Natürlich können auch reale Belohnungen angeboten werden, jedoch sollte man damit vorsichtig umgehen.

Materielle Belohnungen übertreffen virtuelle

Eine materielle Belohnung hat eine wesentlich stärkere Wirkung, als eine virtuelle, allerdings geben Kritiker zu bedenken, dass sie auch einen gegenteiligen Effekt haben kann – den „Korrumpierungseffekt“. Virtuelle Belohnungen verlieren durch das Wissen über eine hochwertigere an Wert, sodass die Motivation nach einer realen Vergütung sinken kann. An einem anschaulichen Beispiel erklärt: Bei einem Experiment im Kindergarten, wurden die Kinder für Dinge, die sie gerne machten (z.B. malen) mit Süßigkeiten belohnt. Als diese Belohnung wegfiel, gingen die Kinder viel weniger ihrer Lieblingstätigkeit nach.

Übertragen auf ein Mitarbeiterportal bedeutet das: Wenn der User für das Erfüllen einer Aufgabe ein Mal eine reale Belohnung und anschließend wieder Punkte erhält, wird seine Motivation geringer sein, als vorher. Bietet man also materielle Belohnungen an, können sie sehr stark motivieren, allerdings sollte man dann diese Art von Vergütung kontinuierlich beibehalten.

Praktische Umsetzungen, sogenannte „Game Mechanics“ sind demnach:

  • Profilseite
  • Community
  • Punktesystem
  • Ranglisten, Levelsysteme
  • Fortschrittsbalken
  • Badges

Also: Stellen Sie Ihren Mitarbeitern, Kunden oder Lernenden Aufgaben, für deren Erfüllung sie belohnt werden. Geben Sie ihnen die Chance, sich weiterzuentwickeln, aufzusteigen und immer wieder neue Ziele vor Augen zu haben. Und natürlich zum Schluss:

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Ähnlich motivierend, wie auch unterhaltend ist die Nutzung der Real-Time-Marketing-Methode der pURLs, also persönlicher URLs. Sie dienen hervorragend zur Kontaktaufnahme mit potentiellen Kunden. Jeder Kontakt erhält eine URL, die seinen Namen beinhaltet – ruft er Sie auf, wird ein ganz persönlicher Film abgespielt. Wenn Sie mögen, schauen Sie sich unser kostenfreies SAP-Beispiel einmal an, mit Ihnen in der Hauptrolle.








Haben Sie schon Erfahrungen mit einem ‚gamifizierten‘ System gesammelt? Was denken Sie zu diesem Trend?

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